Ein Praxistipp von Verbandslehrwart Werner Gessner

Natürlich gibt es eine Menge Konzepte, um ein optimales Ballsortiment für sich zu finden - das ist aber nicht so einfach zu beschreiben, denn viele Faktoren spielen für ein individuelles Sortiment eine Rolle.
In einem Gespräch vor Jahren mit dem Chemieprofessor und Bowlingcoach "Gerry Illauer", von der McKendree Universität, Illinois (USA), versuchte ich dem Thema einigermaßen auf den Grund zu gehen.

Grundsätzlich werden sich die Strategien zur Wahl eines eigenen Ballsortiments im Laufe der Zeit bei jedem Bowler ändern - warum? Weil vernünftigerweise das Ballsortiment der Entwicklung des Bowlers folgen sollte.

Die grundlegende Strategie

Ich nenne es einmal "Basicstrategie". Diese taucht oft bei Bowlern auf, die noch wenig Erfahrung haben. Das ist daran zu erkennen, dass sie die Unterschiede zwischen den Bowlingbällen im Groben schon etwas verstehen. Ich bezeichne dies als die "Try and See" Strategie, also eine Art Rätselraten über Ballreaktionen unter dem Thema "Versuchen und Sehen" was passiert. Das geht in etwa so: Dieser Ball schlägt nicht - egal aus welchen Gründen - also probiere ich einen anderen um zu sehen was passiert. Normalerweise hält diese Strategie nicht lange an, da der Bowler im Laufe der Zeit die Unterschiede zwischen Bällen besser erkennt.
Bei Bowlern die diese Strategie seit Jahren anwenden, stellt sich kaum eine wesentliche Verbesserung ein. Sie unterliegen in der Regel der Werbung oder häufiger den gesichteten Erfolgen anderer.
Ist eine Strategie in Stein gemeißelt, wird sie einer Weiterentwicklung im Wege stehen. Anpassungen werden - und sollten, mit der Entwicklug des Spiels einhergehen. Die gefährlichste Strategie ist die Vorbestimmung, welcher Ball einzusetzen ist, obwohl man von dem bestehenden Zustand der Bahn "quasi" keine Vorinformation hat.

Progression

Wir sollten mit dem Wort "Progression" eine vorgegebene Abfolge von Ereignissen verbinden, also von Entwicklung und Fortschritt. Wenn man die Bälle in seinem Sortiment als Entwicklung betrachtet, kann man in eine Falle tappen, man glaubt dass ein Ball immer zu einem anderen führt. Ich meine damit: Wenn man automatisch mit dem aggressivsten Ball beginnt und man dann der Verhaltensentwicklung des Balls folgt, wechselt man dann zum weniger aggressiven, bis hin zum schwächeren Ball - dies ist eine Fehlinterpredation, die jeder ausgebildete Trainer erklären sollte.

Die Spur zu Spur Strategie

Eine weitere sehr verbreitete Strategie ist die Verwendung unterschiedlicher Bälle auf unterschiedlich reagierenden Bahnenpaaren. Dabei werden auf einer Bahn evtl. unterschiedliche Bälle eingesetzt -  warum? Weil in der Regel keine Bahn gegenüber der nebenliegenden auf Grund von unterschiedlicher Belastung gleich ist, obwohl die Ölmaschiene überall dasselbe Programm fährt, kann sie die Topografie der Bahn nicht lesen.
Mein Tipp: Linie oder Winkelanpassung, oder auf Linie bleiben und einen "Benchmark Ball"(Vielseitigen) einsetzen.

Ballauswahl und Kaufstrategie

Viele Bowler geben sich nicht die Mühe, die Eigenschaften verschiedener Bälle für ihr Arsenal zu lernen. Weiß man, dass es Unterschiede bei den Bällen gibt und diese als stark oder schwach einzuschätzen sind, denkt man das reicht, alles andere überlasse ich dem ProShop Mann. Die Begriffe stellen eben lediglich das jeweilige "Potential" eines Balls dar. In ein Sortiment sollte ein Ball allerdings erst kommen, wenn die Spielmöglichkeiten des Benutzers bei unterschiedlichen Grundmustern eingepreist sind. Bowler die sich ernsthaft mit der Entwicklung ihres Sportgerätes befassen, sollten Kerndesign, Schalenmixturen und Oberflächenmanagement erforschen, um festzustellen, welche Bälle zu ihren Spielmöglichkeiten ins Arsenal passen.

Ballelemente welche die Reaktion beeinflussen

Ich halte die Überprüfung der Elemente für eine Ballreaktion deshalb für wichtig, weil diese die Auswahl oder Ergänzung ihres Sortiments beeinflussen. Es gibt eben nur 4 Elemente des Balls, welche die Ballreaktion beeinflussen:

* Schalenmaterial,
* Balloberfläche
* Kern/Gewichsblock
* Bohrlayout

Das Schalenmaterial ist am schwierigsten zu analysieren, weil wir außer Markenrethorik und Grundstoffe wenig Details erfahren.
Bei der Balloberfläche haben wir viele Möglichkeiten der Veränderung bzw. Anpassung.
Kern bzw. Gewichtsblock ist einfach vorgegeben, symmetrisch, asymmetrisch, Verdichtung ect.

Die spannende Frage ist nun: wie sollte ich mein Ballarsenal zusammen stellen?

Dies ist eigentlich seriös nicht zu beantworten - warum? Weil jede Empfehlung eine individuelle Einschätzung des "Ist Zustandes" vom Bowler erfordert. Um auf der sicheren Seite zu sein, befragen Sie einen wirklich kompetenten Trainer oder den Fachmann ihres Vertrauens im Pro Shop. Natürlich sind auch wir in Seminaren und/oder Einzeltrainings in der Lage, ein Sortiment zu überprüfen, Schwachstellen zu erklären und Ergänzungen zu empfehlen.

Meine persönliche und subjektive Aussage!

Ja, ich empfehle ausschließlich Bowlingbälle "eines Herstellers" für ein Sortiment, somit kann ich die Eigenschaften der Schalenmaterialien wenigstens begründet abstufen.


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